Eine Artikelserie zur Geschichte des WYC von Volker Göbner
Erschienen in der Schwäbischen Zeitung (am 22.01.2011)

Teil 5:  Genial: Jörg und Eckart Diesch holen Gold

Die Wurzeln der größten Erfolge des WYC liegen in den 60er Jahren, als die Kinder der Schwager Bruno Diesch und Eduard Batzill flügge wurden. Jeweils drei Geschwister wuchsen miteinander am See auf. Jede freie Minute verbrachten Eduard (jun.), Albert und Rudolf Batzill sowie Renate, Jörg und Eckart Diesch auf dem Wasser. „Hauptsache Boot“, fasst Dr. Eckart Diesch, heute Präsident des WYC, die Anfänge in Seemoos zusammen.

Doch wenden wir zunächst den Blick auf das allgemeine Geschehen im und um den Club. Die „Seegfrörne“ im März 1963 gefährdete die Slipanlage in Seemoos aufs höchste. Die Bundeswehr sprengte das Eis an dem Gleis in den See und rettete so die Anlage. Es folgte ein wunderbarer Segelsommer und dann wieder ein Regenjahr 1965 mit Rekordhochwasser. Ende des Jahres wurde der Erweiterungsbau des Clubhauses an der Uferstraße eingeweiht.
In dieser Zeit hatten die Dieschs einen „Flying Junior“ gekauft, eine der ersten Kunststoffjollen. Damit begann die Regattakarriere der Cousins Diesch und Batzill. 1968 wurden Jörg und Eckart Diesch zum ersten Mal Deutsche Jugendmeister im Pirat, Eduard und Albert Batzill Vize-Jugendmeister im Korsar. 1969 wurden die Jugendmeisterschaften dieser beiden Klassen vom WYC ausgerichtet. Sieger im Pirat wurden abermals die Dieschs und auch die Batzills verteidigten im Korsar den zweiten Platz. Mutter Antonie Diesch organisierte damals das erste Jugend-Trainingslager des WYC in Seemoos. Ihre Jungs gaben als zweifache Meister Tricks und Tipps weiter. „Das war das Renommee vom Lager“, erinnert sich Dr. Bruno Diesch an den erfolgreichen Beginn einer bis heute anhaltenden Tradition.
1971 wurde in Seemoos eine der alten Baracken, in der einst Claude Dornier die ersten Wasserflugzeuge konstruiert hatte, zum Seglerheim ausgebaut. Aufgrund der Ausrichtung auf die Jugend – die in diesem Jahr fünf neue Jollen erhielt (Vaurien und Fireball waren damals die Trend-Klassen) – wurde Seemoos auch als „Talentschuppen“ bezeichnet. Schobinger wollte im Alter von 78 Jahren wieder mehr Zeit fürs Segeln haben und übergab das Präsidentenamt an Ernst Speiser.
Die Dieschs wechselten Anfang der 70er Jahre die Bootsklassen wie andere die Hemden: Tempest, Fireball oder Shark-24. Und überall heimsten sie Erfolge ein. Hinkommen, Boot aufbauen, Mast einstellen und vorneweg segeln – das war das immer wiederkehrende Schema. „Wir waren richtige Segelhuren. Alles was ein weißes Tuch hatte und segelbar war, wurde genutzt“, so Dr. Eckart Diesch über die wilde Zeit damals. 1973 stiegen sie dann in die olympische Flying-Dutchman-Jolle (FD) um. Das Boot des Deutschen Segler-Verbands wurde im Hof der Familie Diesch abgestellt. Die Jungs fuhren damit an den Ammersee, bauten auf, stellten den Mast nach Gefühl ein – und wurden bei 120 Booten Zweite.
In diesem Stil ging es weiter, bis sie schließlich das Ticket für Olympia 1976 in Montreal (Kanada) in der Tasche hatten. Albert und Rudolf Batzill unterlagen in der Ausscheidung nur knapp und waren als Ersatzleute des deutschen Teams mit in Kanada dabei, als Allround-Betreuer Jochen Frik (alle fünf vom WYC). Es wurden die erfolgreichsten Olympischen Regatten für deutsche Segler: Gold für Jörg und Eckart Diesch im FD, Gold auch für das westdeutsche 470er-Team und den Ost-Berliner Jochen Schümann im Finn-Dinghy.
Zurück in Friedrichshafen feierte die Stadt ihre Olympiasieger, als wäre Graf Zeppelin wieder auferstanden. Zigtausende säumten Straßen und Plätze, als sie im Konvoi vom Flughafen zum Rathaus gefahren wurden.
Bei den Olympia-Ausscheidungen hatten die Batzills immer das Nachsehen, bei Weltmeisterschaften drehten sie dann den Spieß um. 1978 gewannen „Alba“ und Rudolf Batzill zum ersten Mal den WM-Titel im FD. Albert gelang dies bis 1989 noch drei Mal, einmal mit Bruder Rudolf, dann mit Klaus Wende und zuletzt Peter Lang.
Die Diesch hatten auch 1980 die Olympia-Qualifikation gewonnen, aber die Spiele in Moskau wurden vom Westen boykottiert. 1984 segelten sie dann in Los Angeles. Auf dem Revier vor Long Beach blieb der Wind aus, der dort sonst immer weht – und auf den sie sich intensiv vorbereitet hatten. Erst im letzten Rennen wehte es dann wieder richtig, und schon kamen die Häfler als Erste ins Ziel. Insgesamt waren sie damit aber unzufriedene Fünfte.

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So fing’s an: Im „Flying Junior“ wurden noch alle „Mann“ gebraucht, die Diesch- und Batzill-Buben dürfen zum ersten Mal allein auf den „hohen See“.

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Jörg und Eckart Diesch segelten im „Flying Dutchman“ 1976 zu Olympia-Gold.
Empfang 1976 in FN

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