WYC-Präsident Dr. Eckart Diesch hatte zur Einweihung des neuen Clubhaus des Württembergischen Yacht-Clubs in Seemoos gerufen – und rund Rund 350 Mitglieder, dazu zahlreiche Ehrengäste und Handwerker, waren dem Ruf gefolgt und fanden sich am Freitagabend (9.Oktober 2015) neugierig auf das Gebäude in Seemoos ein. Der Fanfarenzug Graf Zeppelin gab den Feierlichkeiten einen würdigen Rahmen. Nach zahlreichen Reden und Gratulationen übergab schließlich Architekt Fritz Hack den Schlüssel „mit ein bisschen Wehmut“.

 Zum „Clubhaus des Jahres“ wollte gar Reinhard Heinl, Vorsitzender des Landes-Segler-Verbandes Baden-Württemberg, das neue Gebäude ausrufen. Denn nicht nur die Mitglieder sind begeistert von dem neuen Clubhaus („großartig!“), seinen Funktionalitäten und dem überwiegend hölzernen Baumaterial. „Es ist ein besonderes Haus an einem besonderen Ort für einen besonderen Zweck“, charakterisierte Diesch.

Schon seit 1924 ist der WYC nicht nur am Hafen in der Stadt, sondern auch in Seemoos ansässig. Damals hatte der Verein die große Flugzeughalle und die Baracken erworben, in denen Claude Dornier seit 1914 seine Flugzeuge konstruiert hatte – damals ein finanzieller Kraftakt (kurz nach der Inflation), aber zukunftsweisend. Als Winterlager und Wohnung für Club-Angestellte, Lager und vieles andere wurden die Gebäude genutzt. Erst 1971 kamen die Jollensegler nach Seemoos und bauten eine der beiden Baracken erstmals um. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich viel getan: „Seemoos hat sich von einem tristen Winterlager zu einem der schönsten Plätze für Jollensegler gemausert“, fasste Diesch zusammen. 2007 hatte er sich erstmals an den damalige Bürgermeister Hornung gewandt, ob es Perspektiven für die Vision eines neuen Clubhauses an Stelle der Dornier’schen Baracken gäbe. Bald gewann das Projekt an Dynamik, die nur von der arbeitsintensiven Phase um das große Jubiläum des Clubs unterbrochen wurde. Wohlwollend standen die Behörden der Stadt und das Landratsamt dem Vorhaben gegenüber – wofür sich Diesch herzlich bedankte. 2012 stimmte schließlich die Mitgliederversammlung nach intensiven Diskussionen dem konkretisierten Vorhaben zu, im September 2014 war Baubeginn. „Wir hatten Glück mit den Handwerkern“, so der Club-Präsident. Und im Zeitplan blieb das Vorhaben auch: Die Gartenbauer waren nur Stunden vor der Einweihung fertig. Das Clubhaus sei ganz im Sinne von Claude Dornier: Innovativ, zukunftsorientiert, man könne darin Visionen haben und verwirklichen – und es unterstütze Mut zu Neuem, sagte Diesch.

„Ein Clubhaus, das sich harmonisch in eine sensible Landschaft einfügt“, urteilte Friedrichhafens Oberbürgermeister Andreas Brand. Er hatte die Geschichte des Clubs intensiv verfolgt. Acht Mal entsandte der WYC bei den letzten zehn Olympischen Spielen seine Segler, die viele Top-Ergebnisse mitbrachten. Viermal wurde der Verein mit dem Grünen Band für hervorragende Nachwuchsarbeit ausgezeichnet – die in erster Linie in Seemoos erfolgt. Der Zuschuss der Stadt Friedrichshafen sei „gut investiertes Geld“! Auch er freute sich, dass die alte Baracke eine neue Bleibe beim Dornier-Museum gefunden hat. „Hätte der WYC sie nicht so gut belebt, wäre sie längst verschwunden!“

Gute Gemeinschaft, Hilfsbereitschaft, Teamgeist und einen Sport in Einklang mit der Natur erlebe Pfarrer Harald Kuhnle bei den Seglern. Er war eigens mit einer Segelboot-Krawatte zur Einweihung gekommen. Zusammen mit seinem katholischen Kollegen Bernd Herbinger erteilte er dem Gebäude den Segen. „Dieses Haus ist ein Bekenntnis zur Jugend“, sagte auch S.K.H. Friedrich Herzog von Württemberg. Er werde wie sein Vater weiterhin zu den Förderern des Yacht-Clubs gehören, versprach er unter dem Beifall der Mitglieder. Denn der Grund in Seemoos gehört heute wie vor 100 Jahren dem Haus Württemberg und ist vom WYC nur gepachtet.

Einen Scheck über 27400 Euro brachte Sportkreis-Präsident Rudolf Landwehr vom württembergischen Landessportverband mit. Der Präsident des Deutschen Segler-Verbandes, Dr. Andreas Lochbrunner, bezeichnete den WYC als verlässlichen Partner und überreichte stolz eine DSV-Flagge. Besonders wichtig sei Nachwuchsarbeit des WYC, die mit Seemoos gestärkt werde.

Schließlich durfte Architekt Fritz Hack den Schlüssel für das neue Clubhaus übergeben, oder wenigstens einen winzigen symbolischen Schlüssel. Vorher aber gewährte er noch einen kleinen Einblick in das Seelenleben eines Architekten. So habe er mit dem Projekt und dem Auftraggeber über die Jahre eine Beziehung aufgebaut, die am – unfallfreien! – Ende der Bauzeit nun zu ein wenig Wehmut führe. Er – wie vorher schon Ekke Diesch – dankte allen Handwerkern für die geleistete Arbeit. Beeindruckt war er auch von der beispiellosen Fotodokumentation des Baufortschritts, die Fotograf Ben Decker erstellt hatte (siehe Mitgliederbereich der WYC-Homepage), und den Aufnahmen mit einer Drohne (von Harold Breimaier). Nicht immer einfach sei die Zusammenarbeit mit dem Bauherrn, insbesondere dessen Arbeitsgruppe „CluSee“ gewesen, blickte der Architekt nun grinsend auf die eigenen Vorstellungen der Fachleute im Club ein. Und schließlich weht ja immer noch der Geist von Claude Dornier durch Seemoos, auch wenn die Baracken schon weg waren: „Es war eine große Herausforderung, dem Anspruch des ‚genius loci’ gerecht zu werden“, so Hack. Mitgebracht hatte der Architekt auch eine Torte, eingehüllt in drei dem Clubhaus mehr als ähnlich sehende „Baukörper“ aus feinstem Marzipan (die später S.K.H. Herzog Friedrich anschneiden durfte).

Mit einer herzlichen Umarmung von Architekt und Bauherr endete der offizielle Teil der Einweihung. Nun konnte es der Spansau an den Kragen gehen, die Jugend schenkte reichlich Getränke aus – und bis tief in die Nacht feierten die Mitglieder in ihrem neuen Heim ...

 

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