Julius Schultheiss und Leon Severens berichten ausführlich

Am 30. Juli brachen wir voll motiviert mit meinen Eltern von FN ins 1600 km entfernte Pwllheli in Wales auf. Nach 2 Tagen Reisezeit mit Übernachtung in Calais kamen wir schließlich am 31. Juli in unserem Hotel etwa 10 km entfernt vom Hafen an. Auch unser Trainer Marc Schulz kam etwa zur gleichen Zeit mit Patrick Ruess und Valentin Jell sowie Julius Neszvescko an. Wir gingen allerdings bald schlafen und trafen uns dann am nächsten Morgen mit Lukas Hesse und Johannes sowie Anton Sattle. Unsere Trainingsgruppe war nun vollzählig!

Wir bauten auch bald die Boote auf, erkundeten die sehr große und moderne Hafenanlage von Pwllheli und absolvierten eine erste Trainingseinheit auf dem Wasser. Am nächsten Tag, dem 1. August, begannen dann die UK Nationals. Diese Regatta war die perfekte Möglichkeit, sich mit dem WM-Revier und dessen besonderen Gegebenheiten sowie mit einem Großteil der Konkurrenz, die uns bei der WM erwarten würde, vertraut zu machen. Bis zum 6. August segelten wir bei unterschiedlichsten Bedingungen: 4 Knoten und Flachwasser bis 20 Knoten und 2 Meter Welle auf der 14 Grad kalten Irischen See.

Am letzten Abend der Nationals wurden alle Segler vom Veranstalter zum „Dinner“ eingeladen. Nichts ahnend kamen wir und alle anderen ausländischen Teams casual gekleidet zum Essen, alle britischen Teams trugen komplette Anzüge mit schwarzen Krawatten bzw. elegante Abendkleider – ein wenig ungewöhnlich für einen Sportevent.

Der 6. August war der Layday. Diesen verbrachten wir mit der Trainingsgruppe am bekanntesten Surfstrand in Nordwales. Dort gab es trotz Flaute perfekte 1-2 Meter Welle – super um entspannt Surfen zu gehen!

Am 7. August war es dann Zeit sich dem bei großen Regatten üblichen Vermessungs- und Anmeldekampf zu stellen. Es war ziemlich anstrengend, da wir unter anderem etwas an unseren Trapezen ändern mussten. Gegen Nachmittag gingen wir noch ein letztes Mal aufs Wasser, um eine neue Technik, welche wir uns zuvor bei den Neuseeländern abgeschaut hatten, zu testen. Am Abend nahmen wir schließlich mit 190 Teams aus 25. Nationen an der feierlichen Eröffnungszeremonie bestehend aus einem Marsch aller Sportler und Trainer durch die Stadt und anschließender Begrüßung der vertretenen Nationalitäten teil. Nun kam richtige WM Stimmung auf und wir gingen mit positiver Anspannung auf die kommenden Wettkampftage früh schlafen!

Am ersten WM Tag, dem 8. August, zeigte sich Wales von seiner typischen Seite: 14 Grad Lufttemperatur, Regen und konstante 15-18 Knoten Wind bei zirka 1,5 Meter Welle! Top motiviert fuhren wir, nachdem wir am sogenannten „Tally“ ausgecheckt hatten, aufs Wasser.

Pünktlich um 10:55 schoss unser amerikanischer Wettfahrtleiter die erste Wettfahrt der Qualifyings an. Die erste Wettfahrt lief für uns leider ziemlich unglücklich, da nach einem guten Start und erster guter Kreuz ein Boot auf uns kenterte und wir so nur noch 34. von 48 Booten in unser Fleet wurden. Die 2. und 3. Wettfahrt lief mit einem 17. und 18. Platz dann ziemlich gut, es machte auch trotz der hohen Anspannung bei der Windstärke großen Spaß zu segeln! Leider hatte die Wettfahrtleitung nur drei Rennen für den ersten Tag geplant und so ging dieser Wettfahrttag bereits um 16 Uhr zu Ende.

Am 2. Tag empfingen uns auf dem Wasser 19 bis 25 Knoten Wind. Wir setzten unsere Serie mit den Plätzen 17, 18, 16, 12 fort. Wir und auch unser Trainer waren sehr zufrieden mit dem Tag, da wir für unser Gewicht bei solchen Starkwindbedingungen sehr schnell unterwegs waren. Mit mehr Gewicht wäre sicher noch mehr drin gewesen. Die top Teams an diesem Tag hatten alle ein Crewgewicht von 140 Kilo aufwärts - mit unseren 132 Kilos konnten wir aus rein physikalischen Gründen mit dem Bootsspeed der„dicken Teams“ nicht mithalten. Bemerkenswerte Leistung zeigte das neuseeländische Team James Willson und Oscar Gunn an diesem Tag: Eine perfekte Serie von 1, 1, 1, 1! Wir lagen am Ende insgesamt auf Platz 65 von 190 und gingen ziemlich glücklich und erschöpft früh schlafen.

Der 3. Tag lässt sich ziemlich schnell zusammenfassen: Flaute, Sonne und keine Wettfahrten.

Die Qualifyingseries waren nun beendet und wir hatten uns somit für die Silverfleet - das vorgenommene Etappenziel –qualifiziert!

Am 4. WM Tag galt es dann nachmittags bodenseeähnliche Windbedingungen mit 4-8 Knoten zu meistern. Allerdings war es sehr böig und die Silverfleet war wider Erwarten bei diesen Bedingungen sehr stark, zusätzlich riss uns noch ein Trapez, sodass wir unsere Serie der vorherigen Tage nicht fortführen konnten und in der Gesamtwertung leider etwa 10 Plätze zurückrutschten.

Der 5. WM Tag verlief bezogen auf Wind und Platzierungen leider ähnlich wie der vierte. Zu allem Überfluss blieben wir bis Abends um 20:30 Uhr auf dem Wasser, nur um noch 1 Wettfahrt mit 4 Knoten Wind zu segeln. Da konnte auch abends das Barbecue an Land nicht mehr viel gutmachen.

Am letzten WM Tag segelten wir noch einmal volle 4 Wettfahrten. In den ersten 2 hatte es wieder recht wenig Wind und es war ziemlich böig, sodass es wieder schwierig war, sich im Feld zu behaupten. Im 3. und 4. Rennen kamen dann allerdings noch einmal 20-25 Knoten Wind auf und wir konnten noch 2 recht solide Ergebnisse segeln. Von den insgesamt 13 Segeltagen gezeichnet, fuhren wir sehr erschöpft, aber insgesamt zufrieden an Land.

Das Ende dieser WM markiert auch gleichzeitig das Ende unserer ersten Saison im 29er. Als 95. der 193 besten Teams dieser Welt können wir auf unsere erste WM stolz sein, vor allem, wenn man bedenkt, wie kurz wir erst 29er segeln. Für Patrick und Valentin war diese WM das Ende ihrer 29er-Karierre, sie wurden insgesamt 91.. Johannes und Anton Sattler wurden 39. im Bronzefleet. Auch für sie war es die 1. WM im 29er. Das Team Lukas Hesse und Julius Nescvecsko wurden insgesamt 7. in der U-17 Wertung, und 25. in der Silverfleet.

Nun sind erst einmal Sommerferien und Zeit sich ein wenig zu regenerieren. Der nächste anstehende Event für uns ist die LJM in Überlingen.

2015 08 29er

 

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